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Trockeneisstrahlen meines 1964 Cadillac

Die effektivste, schonendste und schnellste Methode den Unterboden vom Schmutz und altem, nicht mehr effektivem Unterbodenschutz vieler Jahre zu entfernen ist das Trockeneisstrahlen.

Ich wollte den aktuell guten Original-Zustand meines 1964 Cadillac Sixty Special erhalten. Eine vollständige Restauration wäre nicht notwendig gewesen. Daher habe ich mich für eine komplette Erneuerung des Unterbodenschutzes und für eine Hohlraumversiegelung entschieden. So hat auch noch bestehender Rost keine Chance mehr sich weiter zu entwickeln. Ich muss keine Angst mehr vor Regenschauern haben und vielleicht finden auch meine Kinder noch viele Jahre Freude an der alten Lady.

Trockeneisstrahlen ist ein relativ neuartiges Strahlverfahren, welches reiskorngroße Trockeneispellets als Strahlmittel einsetzt. Entwickelt wurde diese Technik in der Flugzeugindustrie, wo sie vor allem bei der Reinigung bewegter Bauteile (Triebwerke, Fahrwerk, hydraul. Komponenten) und der Entlackung von Flugzeughäuten eingesetzt wird. Gerade bei den korrossionsanfälligen speziellen Flugzeugaluminiumlegierungen ist eine schonende und rückstandsfreie Reinigung besonders wichtig. Hierzu werden die Trockeneispellets, wie von herkömmlichen Strahlverfahren bekannt, in einem Luftstrom beschleunigt und mittels Strahlpistole auf die zu reinigende Oberfläche gestrahlt.

Trockeneisgranulat ist ca. -78,5 °C kalt oder aufgerundet: 80 Grad minus. Wichtig ist beim Trockeneisstrahlen die Druckluft.

Die Firma 80GradMinus strahlt mit 10 bar Druck bei 10 m³ Luft pro Minute. Das ist in etwa 15mal so viel wie ein großer Werkstattkompressor.

Der Kompressor hat einen LKW-Dieselmotor und leistet 110 kW (150 PS). Darum ist es auch schwer einen Standort zu finden, der elektrisch gesehen so groß ist, das man einen elektrischen Kompressor anschließen könnte.

Der Erfolg des Strahlverfahrens beruht auf mehreren Gegebenheiten:

Mit einer Spezial-Strahlanlage werden die Pellets auf eine Geschwindigkeit von ca. 400 m/s (über 1.400 km/h!) beschleunigt. Dies erklärt auch den ohrenbetäubenden Lärm, der beim Stahlen entsteht. Beim Aufprall der Pellets (-78,5 °C) auf das zu strahlende Objekt (ca. 20 °C) entsteht ein punktueller Thermoschock mit Temperaturunterschieden bis zu 100 °C.

Folge: Der zu entfernende Belag zieht sich schlagartig zusammen, versprödet und wird rissig. Die nachfolgenden Pellets dringen in diese Risse ein, geben ihre kinetische Energie ab, wobei das Trockeneis hier vom festen Aggregatzustand sofort in einen gasförmigen übergeht (sublimiert) und sein Volumen auf das 700 bis 1.000-fache vergrößert. Unterwanderte Verschmutzungen werden regelrecht „weggesprengt“. Darunterliegende Oberflächen werden nicht abrasiv beschädigt, da die Pellets nur eine geringe Härte von ca. 2 Mohs, ähnlich wie Gips besitzen. Zahnschmelz hat ca. 5 Mohs, Diamant 10 Mohs.

Der Einsatzschwerpunkt liegt hier bei der Entfernung bituminöser Beschichtungen (Unterbodenschutz), schonende Entlackung, Motorreinigung, Reinigung und Entfettung bewegter Bauteile und vieles mehr.

Trockeneisstrahlen ist hochgradig umweltverträglich. Gewonnen wird das notwendige CO2 entweder als Abfallprodukt in der Industrie oder es wird unter geringem Energieaufwand der Atmosphäre entzogen. Durch das Trockeneisstrahlen wird der Atmosphäre nicht mehr CO2 zugeführt, als ihr vorher entzogen wurde.

Das Strahlmittel selbst ist im Einsatz rückstandsfrei, grundwasserneutral, und absolut ungiftig. Eine kostenintensive Entsorgung von verbrauchtem Strahlgut entfällt ebenso wie das Anbringen einer Schmutzschürze, um das Verwehen von Strahlstaub in die nähere Umgebung zu verhindern.

Für ein Auto der Größe eines 1964 Cadillacs Fleetwood Sixty Special braucht man ungefähr 400 kg Trockeneis und man strahlt ungefähr 10 Stunden.

Es ist problemlos möglich das fahrbereite Fahrzeug zu strahlen. Manchmal kann es aber von Vorteil sein wenn man bestimmte Bauteile abbaut, wie Auspufffanlagen, Kunsststoffverkleidungen, Stoßstange usw., um besser an die Oberfläche zu kommen. Gummiteile und auch die meisten Teile am Unterboden nehmen keinen Schaden beim Strahlen. Lediglich Kabelumisolierungen (Bougierrohre) können Schaden nehmen, und auch einfach lackierte Teile (z.B. Bremsankerplatten). Hier löst sich einfach der Lack und sie sind dann ähnlich blank wie beim Standstrahlen.

Zum Schutz vor Staub, werden alle Türen und Hauben-Spalten abgeklebt, und eine Druckluftleitung ins Fahrzeug gelegt um den Innenraum unter Druck zu setzen. So kann kein Staub ins Fahrzeuginnere gelangen.

Man kann mit Trockeneis fast alle Materialien am Unterboden entfernen. Wie z.B. Bitumen, Wachs, Fett, schlechte Lacke, Straßenschmutz, losen Rost und ähnliches. Nicht entfernen lassen sich Steinschlagschütze die auf Kautschuk oder PVC Basis sind. Es ist sehr unterschiedlich wie gut oder wie schnell sich Beschichtungen lösen lassen. Dies muss immer ausprobiert werden. Es können auch nicht grundsätzlich alle Lacke gelöst werden. Mit Trockeneisstrahlen kann man nicht tief entrosten wie beim Sandstrahlen. Die metallische Oberfläche bleibt erhalten.

Beim Sandstrahlen ist sie rau und hat an Stärke verloren. Bei größeren Metallflächen können beim Sandstrahlen außerdem unerwünschte Verspannungen entstehen. Es wird auch keine Wärme ins Blech gebracht. Wenn man allerdings eine Vollrestauration durchführt und das Fahrzeug komplett zerlegt wird, ist es meistens günstiger und besser Sand zu strahlen.

Auf jeden Fall bleibt nach dem Strahlen eine fettfreie, saubere, lackierfähige Oberfläche zurück.

Nach dem Strahlen ist eine Weiterbehandlung des Unterbodens notwendig. man hat also erstmal alles nur gereinigt. Nach dem Strahlen hat man einen guten überblick über den tatsächlichen Zustand des Fahrzeugs. Alle „Verbrechen“ der vergangenen Jahre werden aufgedeckt.

Es ist der „Ohh- oder auch der Ahh-Effekt“. Auch offensichtlich gute Fahrzeuge wie mein 1964 Fleetwood offenbaren nun möglicherweise Rostschäden. Selten gibt es nichts zu schweißen.

Wichtig ist jetzt, dass man mit den richtigen Materialien weiter macht:

  • Schweißen wo nötig
  • Grundieren in mindestens 2 Schichten auf die auch teilweise rostige Oberfläche mit Brantho Korrux nitrofest, oder mit TimeMax-Paintrepair.
  • Jetzt noch ein Decklack in Wagenfarbe mit einem 2-Komponenten Material. Oder besser noch mit TimeMax Color.
  • An wichtigen Stellen, an denen sich Wasser sammeln kann, oder Wasser zwischen Blechfalze kriechen kann muss man mit einem guten Unterbodenwachs oder mit TimeMax-Fett versiegeln. Dieses Hohlraum-Fett von TimeMax ist Testsieger im Langzeittest der OldtimerMarkt für Hohlraumfette. Es haftet extrem gut, auch am Unterboden.
  • Am Schluss erfolgt eine Hohlraumversiegelung mit kriechfähigem Material. Hier gibt es unzählige Meinungen. Am bekanntesten dürfte wohl Mike Sanders, Dinol oder Fluid Film sein. Je mehr Fachleute man hier nach der Wirksamkeit gefragt hat, umso mehr Aussagen bekam man. Erst ein wirklich guter Hohlraumtest der Oldtimerzeitschrift „Oldtimer-Markt“ brachte Wahrheit an Licht…: für Hohlräume sind Fette besser geeignet als Wachse da sie kriechfähiger sind und keine Lösungsmittel enthalten. Somit gibt es auch keine Trocknungsrisse und Materialschwund wie bei Wachsen. Testsieger ist TimeMax Fett.

Für Unterboden sind Wachse besser geeignet, da sie in der Regel besser haften als Fette und nach der Trocknung kaum bis keinen Schmutz mehr aufnehmen. Aber auch das TimeMax Fett haftet sehr gut am Unterboden. Es nimmt nur mit der Zeit Straßendreck auf und wird dadurch etwas unansehnlich.

Eine Hohlraumkonservierung mit Fett muss immer mit heißem Fett durchgeführt werden. Das heißt: das Fett wird auf ca. 110 °C erhitzt und mit einer Druckbecherpistole und langen Lanzen in die Hohlräume gespritzt. So kann es sich gut verteilen. überschüssiges Fett läuft aus den Karosserieöffnungen wieder aus. Jedes mal wenn das Fahrzeug im Sommer der Sonne ausgesetzt ist, fängt es wieder an zu kriechen. Und zwar in alle Falze und Zwischenräume. Das unterscheidet Fett auch von den Wachsen. Es legt sich auf vorhanden Rost und umschließt ihn luft- und wasserdicht. So kann ein Weiterrosten verhindert werden. An den ersten heißen Sommertagen könnte es je nach eingespritzter Fettmenge vorkommen, dass aus Karosserieöffnungen restliches überschüssiges Fett austropft. Parkt man also bei Freunden in der aufwendig gepflasterten Garageneinfahrt sollte man darauf achten und gegebenenfalls an den neuralgischen Punkten etwas unterlegen.

Warum habe ich mich für die Firma 80GradMinus entschieden? Zum einen natürlich Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Zum anderen weil die Firma schon 6 Jahre Erfahrung mit der Prozedur sammeln konnte und alle Schritte von Anfang bis Ende selbst durchführen kann. Also quasi ein Rundum-Unterbodenschutz-Sorglospaket. Bei 80GradMinus „Unterbodenmanagement“ genannt:

  • Trockeneisstrahlen
  • Spenglerarbeiten
  • Grundieren und Lackieren des Unterbodens
  • Hohlraumversiegeln
  • Unterbodenschutzwachs

weitere Leistungen:

  • Sandstrahlen
  • Komplettrestaurationen

Links:

In der Zeitschrift Chrom & Flammen, Ausgabe 09/2013 wurde mein Artikel auf Seite 38 bis 42 ebenfalls veröffentlicht.

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